Die Anhörung zur Schutzanordnung war für Donnerstagvormittag im Amtsgericht angesetzt. Ich trug einen dunkelblauen Anzug, der etwas lockerer saß, da mir der Stress seit Wochen den Appetit geraubt hatte. Tasha saß hinter mir im Zuschauerraum. Meine Anwältin, Andrea Bennett, hatte die Beweismittel übersichtlich in Registern angeordnet: Notfallprotokolle, Fotos, die 37 Minuten nach dem Vorfall aufgenommen worden waren, den Polizeibericht, Screenshots von Ryans Nachrichten, Kreditkartenabrechnungen, die frühere „Kredite“ an Nicole belegten, zu deren Deckung Ryan mich gedrängt hatte, und Aufnahmen der Überwachungskamera auf der Veranda unseres Nachbarn, die die Umzugshelfer, den Polizisten und Ryan zeigten, wie sie an diesem Nachmittag wütend den Gehweg entlangstürmten.
Ryan erschien in einem anthrazitfarbenen Anzug mit einem verletzten Gesichtsausdruck. Nicole saß hinter ihm, gekleidet, als ob sie zu einem Brunch eingeladen wäre, den sie auf keinen Fall verpassen wollte.
Unter Eid versuchte Ryan zunächst, ruhig zu bleiben. Er sagte, er sei gestresst gewesen. Der Kaffee sei ihm während eines Streits verschüttet worden. Ich hätte überreagiert, weil unsere Ehe ohnehin schon angespannt gewesen sei. Doch dann zeigte Andrea ihm das Foto von meinem Gesicht – rot und mit Blasen an Wangenknochen und Kiefer – und fragte ihn, wie ein „Ausrutscher“ mit solcher Wucht durch eine fast zwei Meter breite Küche fliegen konnte, dass eine Tasse neben der Spüle zerbrach.
Er konnte es nicht.
Dann fragte sie, warum er Nicole Minuten nach dem angeblichen Unfall eine SMS geschrieben hatte: Komm nach dem Mittagessen vorbei. Sie wird es dir geben, oder ich werfe sie selbst raus.
Im Gerichtssaal wurde es sehr still.