Mit dem Alter verändern sich drei Dinge wesentlich:
Die Arterien werden steifer, ähnlich wie ein alter Gartenschlauch, der an Flexibilität verliert. Sie benötigen einen etwas höheren Druck, um das Blut effektiv zum Gehirn und zu den Organen zu transportieren, insbesondere gegen die Schwerkraft.
Barorezeptoren – Drucksensoren in den Blutgefäßen – reagieren weniger empfindlich. Sie reagieren langsamer auf Positionsänderungen, wodurch starke Blutdruckabfälle wahrscheinlicher werden, wenn der Ausgangsdruck bereits niedrig ist.
Medikamente verbleiben aufgrund der verlangsamten Nieren- und Leberfunktion länger im Körper. Eine Dosis, die für einen 50-Jährigen optimal ist, kann bei über 75-Jährigen zu hoch sein und den Blutdruck gefährlich senken.
Diese Veränderungen erklären, warum die in Studien für das mittlere Lebensalter ermittelten, allgemeingültigen Zielwerte nicht immer auf das höhere Lebensalter übertragbar sind.
Was aktuelle Forschungsergebnisse zeigen
Große Studien mit Tausenden von Senioren zeichnen ein differenziertes Bild. Während sehr hoher Blutdruck (über 150 mmHg systolisch) das Risiko für Schlaganfall und Herzerkrankungen erhöht, korreliert sehr niedriger Blutdruck (unter 120 mmHg) häufig mit mehr Problemen wie Stürzen, Nierenerkrankungen und mitunter einer geringeren Lebenserwartung.
Wichtige Analysen zeigen, dass der optimale Blutdruckbereich für viele über 75-Jährige höher liegt als in den traditionellen Richtlinien angegeben – oft um 130–145 mmHg systolisch für gesündere Menschen, wobei der Wert bei Gebrechlichkeit entsprechend angepasst wird. Dieser Bereich gewährleistet ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Herzschutz und der Vermeidung von Durchblutungsstörungen lebenswichtiger Organe.
Aber es gibt noch mehr zu berichten. Große Studien wie SPRINT zeigten die Vorteile einer intensiven Blutdruckkontrolle (Zielwert <120 mmHg) selbst bei über 75-Jährigen. Sie reduzierten kardiovaskuläre Ereignisse und die Sterblichkeit, ohne die Sturzrate unter sorgfältiger Überwachung drastisch zu erhöhen. Andere Studien deuten auf individualisierte Ansätze hin: Gebrechlichere Erwachsene oder solche mit mehreren Erkrankungen profitieren möglicherweise mehr von weniger strengen Zielwerten, um Nebenwirkungen zu vermeiden.
Fazit: Eine aggressive Blutdrucksenkung hilft vielen, aber nicht allen. Eine zu starke Senkung kann ein Risiko (kardiovaskuläres Risiko) gegen ein anderes (Stürze, Verletzungen) eintauschen.
Die versteckte Gefahr: Orthostatische Hypotonie
Haben Sie sich jemals beim Aufstehen schwindelig gefühlt? Das ist oft ein Anzeichen für orthostatische Hypotonie. Sie betrifft viele Senioren, die Blutdruckmedikamente einnehmen, wird aber häufig übersehen.
Blutdruckmessgerät
Hier ist ein einfacher Test für zu Hause, der alles verändern kann:
Legen Sie sich 5 Minuten flach hin und messen Sie Ihren Blutdruck.
Stehen Sie sofort auf und messen Sie ihn erneut.
Beachten Sie jeden Abfall: Ein systolischer Abfall um mehr als 20 mmHg oder ein diastolischer Abfall um mehr als 10 mmHg deutet auf ein Problem hin.
Wenn dies passiert, selbst bei ansonsten guten Sitzwerten, bedeutet es, dass eine aufrechte Haltung das Gehirn nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Wiederholte Episoden erhöhen das Sturzrisiko drastisch.