Bei der Beerdigung meiner Frau beugte sich meine Schwiegertochter zu meinem Sohn und murmelte:

TEIL 1

„Heute fühlt es sich an wie ein Feiertag.“
Das flüsterte meine Schwiegertochter – während meine Frau im Sarg lag.
Sie sagte es nicht laut. Das war auch nicht nötig. Sie beugte sich zu meinem Sohn, sicher, dass niemand sie hören konnte. Doch ich stand nur wenige Schritte entfernt neben den Kränzen, meine Hände wie erstarrt, mein Herz wie zu Stein. Diese sechs Worte trafen mich tiefer als jede leere Beileidsbekundung.
Der Morgen von Elenas Beerdigung in Guadalajara war seltsam hell. Sonnenlicht strömte durch die Buntglasfenster der Kirche San José, als ob die Welt sich weigern wollte, den Tod der Frau anzuerkennen, die ich zweiunddreißig Jahre lang geliebt hatte. Menschen kamen auf mich zu und sprachen mir leise tröstende Worte zu – Sätze, die den Schmerz lindern sollten, der sich nicht lindern lässt.
„Sie hat nun ihren Frieden gefunden.“
„Sie ruht.“
„Sie war eine außergewöhnliche Frau.“
Ich nickte, doch innerlich fühlte es sich an, als ob meine Brust mit etwas Schwerem und Erstickendem gefüllt wäre.
Mein Sohn Daniel kam zu spät – die Krawatte schief, die Augen rot, der Bart unrasiert. Als er mich umarmte, zitterte sein Körper.
„Tut mir leid, Papa … ich hätte früher da sein sollen.“
Ich hielt ihn fest, unfähig zu sprechen.
Vanessa folgte ihm.

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