„Ich weiß“, sagte sie. „Ich werde es dir beibringen.“

Wir breiteten seine Hemden auf dem Küchentisch aus und nähten mit ihrem alten Nähzeug. Zweimal schnitt ich den Stoff falsch zu, musste ganze Abschnitte wieder auftrennen, aber Tante Hilda entmutigte mich nie. Sie führte meine Hände und sagte mir, wann ich langsamer machen sollte. Manchmal weinte ich leise, manchmal sprach ich laut mit Papa.
Jedes Hemd barg eine Erinnerung: das, das er an meinem ersten Schultag trug, das verblasste Grün von damals, als er neben meinem Fahrrad herlief, das graue von dem Tag, als er mich nach meinem schlimmsten Zusammenbruch im vorletzten Schuljahr umarmte. Das Kleid wurde zu einem Katalog seiner Erinnerungen.
Am Abend vor dem Abschlussball habe ich es fertiggestellt. Vor dem Spiegel stehend, sah ich alle Farben, die mein Vater je getragen hatte, zusammengenäht. Es war kein Designerstück, aber es passte perfekt. Für einen Moment spürte ich ihn bei mir.
Meine Tante erschien mit Tränen in den Augen in der Tür. „Nicole, mein Bruder hätte das geliebt. Er wäre völlig ausgeflippt … im besten Sinne. Es ist wunderschön, Liebes.“
Zum ersten Mal seit dem Anruf im Krankenhaus hatte ich nicht das Gefühl, dass etwas fehlte. Papa war in das Gewebe eingebunden, so wie er immer in mein Leben eingebunden gewesen war.